7. Tag auf der Berlinale

Zoo Palast (c) Jan Bitter / Zoo Palast

Zoo Palast (c) Jan Bitter / Zoo Palast

 

„Im Kino schlafen, heißt dem Film vertrauen“ – so geht es das Zitat. Und gerade in der 2. Phase der Berlinale ist es wahrer denn je. Deshalb ist der Donnerstag eigentlich der Tag, an dem im Wettbewerb leichte unterhaltsame Kost außer Konkurrenz wie Cinderella serviert wird. Dieses Jahr ist dafür allerdings der Freitag vorgesehen, wenn Logan seine Krallen ausfährt. Im Berlinale Palast läuft heute in der Hommage an die Kostümbildnerin Milena Canonero The Shining.

Mit dem Schlaf gekämpft habe ich beim serbischen Panoramafilm Rekvijem za gospudju J.. Zwar hat der Film einige schöne Ideen über die kafkaesken Situation der lebensmüden Jelena. Insgesamt fand ich aber nicht bissig genug und wenig überraschend. Die Schlußszene konnte ich schon nach 30 Minuten vorhersagen.

Ganz zauberhaft ist der japanische Film Karera ga Honki de Amu toki wa. Die elfjährige Tomo zieht zu ihrem Onkel, da ihre Mutter sie alleine gelassen hat. Seine neue Freundin Rinko ist eine Transfrau, die sich liebevoll um Tomo kümmert. Immer mehr nimmt sie die Mutterrolle ein, bereitet Bentos für die Schule und tröstet das einsame Kind. Gemeinsam stricken sie sich Sorgen und Wut von der Seele. Ein fein beobachteter Film voll schöner Momente.

Sehr intensiv ist auch der Dokumentarfilm I’m not your Negro von Raoul Peck, der eine Oscarnominierung als bester Dokumentarfilm erhalten hat. Der Film ist eine Collage aus Nachrichtensendungen, Filmen und Fotos, die den  unvollendeten Text  „Remember this house“ von James Baldwin unterlegen.

Die Lebenswirklichkeiten schwarzer Amerikaner von den Protesten in den 60ern bis heute werden in einer wahren Tour de Force montiert.

Ein weiterer Dokumentarfilm im Panorama ist Casting JonBenet – eigentlich ein Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Der Mord an der sechsjährigen JonBenet, die Weihnachten 1996 tot in ihrem Elternhaus aufgefunden wurde, zählt zu den bekanntesten ungelösten Mordfällen in den USA. Bei einem Casting zu einem Film über den Mordfall legen die Bewerber ihre Sicht auf den Fall und den Schuldigen dar. Die dokumentarischen Castingszenen vermischen sich mit Spielszenen zu einem komplexen Vexierspiel.

 
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Über diesen Autor

Kristin Buller

ist Content-Redakteurin bei visitBerlin und leidenschaftliche Berlinale-Gängerin. Schon 1990 hat es ihr der Film Conte d'Eté von Eric Rohmer angetan – seither hat sie nur ein einziges Mal das Filmfestival verpasst. Am meisten freut sie sich auf asiatische Filme und hat ein Faible für Stummfilme und Screwball Comedies (daher oft in der Retro). Kristin schreibt über die Filmmetropole Berlin – die Großstadt vor und hinter den Kulissen.

 

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