Berlins wilde Seite

boar © Florian Möllers

boar © Florian Möllers

 

Fühlen Sie sich auch manchmal beobachtet? Bohren sich Augen in Ihren Rücken, aber wenn Sie sich umdrehen ist niemand da? Glauben Sie mir: Es ist jemand da. Er ist nur gut versteckt. Vielleicht im Gebüsch oder auf einem Baum. Dort sitzt er dann und schaut und hofft – vielleicht, dass Sie verschwinden oder einen Leckerbissen fallenlassen. Sie glauben mir nicht? Nun, ich kann Ihnen gern mal den Vogel zeigen…!

Immerhin gibt es rund zehn Millionen Vögel in der deutschen Hauptstadt. Das erfahre ich bei meinem letzten Besuch im Museum für Naturkunde. Hier präsentiert die Bildershow „Biopolis“ Berlins wilde Seite aus Sicht der menschlichen Stadtbewohner. Ich bin überrascht, dass sich die 3,5 Millionen Berliner ihre Heimat mit 6.000 Wildschweinen und 3.000 Füchsen teilen. Außerdem wird der Fernsehturm häufig von Wanderfalken angeflogen. Sie halten von dort nach Beutetieren Ausschau.

Für mich ist jedoch viel interessanter, wie es Berlins Promi-Tieren geht. Da gab es 2008 den kleinen Waschbären „Alex“. Die Tagespresse berichtete ausführlich über seinen Einzug in die Tiefgarage des Park INN am Alexanderplatz. Er lebt dort immer noch, erfahre ich von Ausstellungskurator Uwe Moldrzyk. Und auch der Kanzleramtsfuchs ist noch aktiv. Gemeinsam mit zahlreichen Artgenossen ist er regelmäßig im Regierungsviertel auf Nahrungssuche.

Gucken ja, füttern nein!

Während ich die rund 250 Fotografien der Ausstellung betrachte, bin ich erstaunt, wie nah Mensch und Tier sich bereits gekommen sind. Mit etwas Beklemmung betrachte ich das Bild einer Bache und ihrer Frischlinge, die an einem vielbefahrenen Radweg entlang spazieren. Sie haben die Furcht vor dem Menschen verloren – vermutlich, weil Liebe durch den Magen geht.

Doch wer sie füttert, tut ihnen oft keinen Gefallen. Falsche Nahrungsmittel können krank machen. Außerdem sind bettelnde Wildschweine und Füchse nicht jedermanns Sache. Daher können diese „Zuneigungsbezeugungen“ in Berlin mit Bußgeldern von bis zu 5000 Euro geahndet werden. Ich persönlich finde es sowieso viel schöner, den Hauptstadt-Tieren einfach nur bei ihrem Tageswerk zuzuschauen. Wenn Sie sich also wieder beobachtet fühlen sollten, beobachten Sie einfach mal zurück.

Gastautor: Susan Steudtemann

 
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