Back to the beans: Slow-Coffee-Woche in Berlin

Berlin Coffee Week c Siphon

Berlin Coffee Week c Siphon

 

Nein, es ist nicht die morgendliche Dusche oder gar die Runde Joggen im Volkspark Friedrichshain bei trübem Novemberwetter, – ich gehöre zu der Spezies, die erst eine Tasse Kaffee am Morgen in den Betriebsmodus versetzt. Tiefschwarze heiße Flüssigkeit. Vorzugsweise bitte in einer handlichen Schale, unter einem Berg von Milchschaum verborgen. Daher interessiert mich ein Karamell-Macchiato in einem Pappbecher mit Plastikdeckel auch nicht die Bohne! Nachdem man sich zunächst die Finger beinahe und beim ersten Schluck dann ganz sicher den Mund verbrennt, versucht man möglichst unbeobachtet den Schaum von der Innenseite des Deckels zu lecken und schließlich mittels dieser hölzernen Pseudo-Löffel an den verbliebenen Milchschaum im unteren Teil des Bechers zu kommen. Und zuletzt steigt man mit klebrigen Fingern in die Bahn.

Aufgrund dieser stark gehegten Abneigung hat mich die neue Slow-Coffee-Bewegung, die in Berlin um sich greift, umso mehr interessiert. Dabei besinnen sich die Baristi, was die Zubereitung betrifft, auf alt bewährte Methoden wie das Filtern per Hand. Eine Idee, der ich zunächst eher skeptisch gegenüber stehe. Filterkaffee? War das nicht diese dünne, ungenießbare Plörre, die zu Omas Zeiten auf keiner Kaffeetafel fehlen durfte? Nun, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und mache mich auf den Weg zu den Filterfreunden Berlins.

Café Chapter One – Kreuzberg

Erstes Ziel meiner Kaffee-Tour ist das Café von Nora Smahelová und Björn Köpke im Bergmannkiez. Gespannt der Dinge, die da kommen, erklimme ich die drei Stufen zum Eingang in der Mittenwalder Straße 30. Schon beim Öffnen der Tür umgarnt mich der wohlige Geruch frisch gemahlenen Kaffees. Ich entscheide mich gegen die Barhocker, wähle einen Platz am Fenster und schaue mich in dem kleinen, puristischen Café um: Grüngraue Wände, Schachbrett gemusterter Boden und länglicher Tresen, hinter dem Björn gerade Kaffeepulver in ein Glasgefäß gibt. Ich beobachte, wie das kochende Wasser in der Apparatur, die mich stark an den Chemieleistungskrus erinnert, aufsteigt und sich in rötlichbraune Flüssigkeit verwandelt. Nachdem die Hitzequelle ausgeschaltet ist, fließt der Kaffee durch einen Filter zurück in den Kolben. Ich bin völlig fasziniert und lasse mir auf diese Weise einen Kaffee zubereiten. Und zwar mit hell gerösteten Bohnen aus Kenia, die mir der Barista empfiehlt. Während ich auf meinen Filterkaffee aus dem Siphon, so nennt sich das Gerät, warte, erläutert Björn mir ausgiebig die Vorzüge das händischen Filterns: Es bietet die Möglichkeit, einzelne Komponenten einer Bohne – wie z.B. die Note schwarzer Früchte – hervorzuheben und so Kaffee nach persönlichem Geschmack zubereiten. Um mir die Unterschiede zu demonstrieren, bekomme ich einen weiteren Kaffee, der mit einem Keramikfilter gebrüht wurde.

Coffee is the New Wine

Vor mir stehen also zwei Glaskaraffen, gefüllt mit rötlichbraunem, leicht beerig duftendem Kaffee. Ich gieße zuerst die leicht trübe Variante aus dem Siphon in eine der Cups und während er noch abkühlt, lausche ich begeistert Gang Starrs „Moment of Truth“. Wie passend. Tatsächlich treten die angekündigten Aromen von Waldfrüchten, Rhabarber und Zitronen bei dem Siphon-Kaffee deutlicher hervor als bei dem aus dem Keramikfilter. Dabei scheint sich mit der Temperaturveränderung des Getränks auch der Geschmack zu verändern. Ein Phänomen, das auch Weinkennern und -genießern nur allzu gut bekannt sein dürfte. Was für ein Erlebnis.

Fortsetzung folgt…

 
Diesen Artikel bewerten:
12345
Ø 4,63/8
 

Über diesen Autor

Anna Bockhoff

war immer schon viel in Berlin. Nach Umwegen über Frankreich, Paderborn und München hat sie seit fünf Jahren gänzlich ihre Zelte in der Hauptstadt aufgeschlagen. Sie liebt den Berliner Sommer und verfolgt mit großem Interesse all die Klischees, die man ihr als echter Prenzl’berg-Mama nachsagt.

 

Ihre Meinung zu Back to the beans: Slow-Coffee-Woche in Berlin

Kommentare

  • Keine Kommentare