Kaffee ist Leidenschaft pur

Reichstag and Coffee c Anna Bockhoff

Reichstag and Coffee c Anna Bockhoff

 

Heute möchte ich eine weitere Variante des händischen Kaffeezubereitens probieren: die AeroPress. Sie funktioniert ähnlich wie meine French-Press zuhause. Daher bin ich ganz erwartungsvoll, ob ich bei The Barn ohne Zucker und Milch auskomme. Ich schlendere an all den Galerien und Designerläden die Auguststraße entlang und gehe links Richtung Kloppenplatz. Vor der Tür des winzigen Cafés stehen auch Ende November noch kleine Hocker. Innen ist es wohlig warm und eine Barista empfängt mich. Sie erklärt mir mit hübschem englischen Akzent, dass heute für die AeroPress die Kaffeesorte „Guatemala – San Francisco“ zur Auswahl steht: Toffee, dense sugary body, balanced by black fruits. Hört sich gut an. Sie schreibt meinen Namen auf einen Zettel, ihr Kollege würde mich aufrufen, sobald mein Kaffee zubereitet ist. Bei der Überschaubarkeit des Ladens sollte das Prinzip funktionieren. Aber ich nehme meinen Auftrag ernst und will heute auf keinen Fall das Handling des Baristas verpassen.

So schaue ich ihm vor der Theke stehend auf die Finger: Er lässt das aufgekochte Wasser kurz abkühlen und vermischt es anschließend mit dem frisch gemahlenen Kaffeepulver im AeroPress-Kolben. Der Druck beim Hinunterdrücken des Kolbens presst den Kaffee durch einen feinen Papierfilter und löst viele Aromastoffe. Das Resultat landet in einer kleinen Glaskanne mit dem Hinweis, der Kaffee habe jetzt eine Temperatur von etwa 60 Grad, ich solle ihn kurz stehen lassen, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Gesagt getan. Ich sitze auf einem der Hocker und schaue dem bunten Treiben auf dem Gehweg zu. Aus meiner Tasse steigt mir ein feiner Kaffeeduft in die Nase. Dann kommt der spannende Augenblick: Wow! Schmeckt umwerfend! Kein bisschen bitter oder säuerlich, es ist wirklich unglaublich.

Die nette Barista kommt zu mir und wir sprechen über meine Filterkaffeeerfahrungen der letzten Tage. Ihr sei es ebenso ergangen. Seit sie im Sommer angefangen hat hier für Ralf Rüller zu arbeiten, hat sich ihr Kaffeetrinkverhalten gewandelt. Sie gibt mir den Tipp auch die neue Roastery von The Barn an der Schönhauser Allee zu besuchen, die eine größere Auswahl an Kaffeesorten habe. Außerdem müsse ich mal an einem Coffee-Tasting teilnehmen, erst bei solch einer Verkostung würde einem das Geschmacksspektrum von Kaffee in seiner Aromenvielfalt bewusst.

Das scheint mir die ideale Gelegenheit, um die für meinen Geschmack perfekte Kaffeesorte zu entdecken. Dann mahle, wiege, brühe und schlürfe ich zuhause – denn das hat mir Björn ja gleich zu Anfang erklärt: Kaffee ist keine Wissenschaft sondern Leidenschaft.

 
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Über diesen Autor

Anna Bockhoff

war immer schon viel in Berlin. Nach Umwegen über Frankreich, Paderborn und München hat sie seit fünf Jahren gänzlich ihre Zelte in der Hauptstadt aufgeschlagen. Sie liebt den Berliner Sommer und verfolgt mit großem Interesse all die Klischees, die man ihr als echter Prenzl’berg-Mama nachsagt.

 

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