“Dickes B, home an der Spree…”

"Berliner Winter" - forget the cold c Anna Bockhoff

"Berliner Winter" - forget the cold c Anna Bockhoff

 

Oh ja! Während ich aus dem Fenster in den von grauen Regenwolken verhangenen Berliner Januarhimmel schaue, kann ich nur den Regler meiner Anlage höher schieben und laut mitsingen. Im Übrigen wäre ich bestens für Winterschlaf geeignet. Ich meine, wer möchte sich bei 0,0 Sonnenstunden, die uns das neue Jahr nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes bisher beschert hat, nicht in einer Höhle aus warmen Kissen und flauschigen Decken zusammenrollen und erst wieder herauskommen, wenn auch der letzte Streusplitt von den Gehwegen gefegt ist und man wieder trockenen Fußes durch die Stadt kommt?

Bei meinem Versuch dem Grau-in-Grau dieser Januartage mit einem bunten Gemüseeintopf im wunderbaren Suppe & Salat am S-Bahnhof Eberswalder Straße zu entfliehen, habe ich gestern eine großartige Entdeckung gemacht: Während ich vor meiner dampfenden Suppe saß, und den Blick von den sich schnell unter tropfenden Regenschirmen bewegenden Menschen vor der Scheibe abwandte, fiel er auf eine schlicht anmutende Flasche mit der Aufschrift Berliner Winter .
Da hat doch jemand den Winter abgefüllt!

Naturtrüben Streuobstapfelsaft, einen Schuss Wodka und eine geheime Gewürzmischung enthält das Getränk. Kreiert hat es der Kulturwissenschaftler Benjamin Fischer aus Kreuzberg. Seit November 2012 ist er mit seiner Idee des zehnprozentigen „Kleinen Bruders des Glühweins“ am Markt und beliefert nicht nur Bars und Cafés im Kiez – Halbliterflaschen können auch direkt ins Haus geordert werden, sozusagen bis zu mir und meiner Kuscheldecke auf die Couch. Berliner Winter – kalt war gestern.

Bis Mitte März – ich mach‘ jetzt mal auf Wetterfee – die ersten Tische und Stühle wieder draußen stehen, lässt der Berliner Winter in Flüssigform die Sonne im Herzen aufgehen. Ich wusste ja schon immer, dass wir Kulturwissenschaftler, entgegen aller Kritik, zu weit mehr im Stande sind als akademischer Selbstgenügsamkeit – oder Taxifahren.

 
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Über diesen Autor

Anna Bockhoff

war immer schon viel in Berlin. Nach Umwegen über Frankreich, Paderborn und München hat sie seit 2008 gänzlich ihre Zelte in der Hauptstadt aufgeschlagen. Sie liebt den Berliner Sommer und verfolgt mit großem Interesse all die Klischees, die man ihr als echter Prenzl’berg-Mama nachsagt.

 

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