32 Marmor-Figurengruppen & eine Beton-Luise

Berlins verschwundene Denkmäler werden in der Zitadelle Spandau auf ihr Comeback vorbereitet

  • Königin Luise wird bald in den Tiergarten zurückkehren.
  • Blick vom Juliusturm der Zitadelle. Rechts im Bild: Figuren der Siegesallee.
  • Die beschädigten Figuren der Siegesallee.

Königin Luise von Preußen wirkt ein wenig traurig. Wie sie da so steht, ihren Gemahl Friedrich Wilhelm III. im Rücken und den Alten Fritz zu ihrer Rechten, scheint es, als ahne sie etwas. Vielleicht ein nahendes Lebewohl. Denn die schöne, marmorne Statue wird das Proviantmagazin der Zitadelle Spandau bald verlassen und in den Berliner Tiergarten zurückkehren. Dort steht eine stark beschädigte Betonkopie, die dringend ausgetauscht werden muss. Luise nimmt diesen Platz ein, ihr verwittertes Double reist zum Wilhelm-Original nach Spandau.

„Das einzig Reizvolle an diesem Tausch ist wohl der Kontrast, den die beiden dann abgeben: Er im hellen Marmorlook, sie mit bröselnder Beton-Nase“, denke ich während meiner Führung durch die Zitadelle Spandau. Ab 2014 sind die Kunstwerke im Rahmen der Ausstellung „enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ zu besichtigen. Gezeigt werden auch Statuen, die nach einem Regierungswechsel nicht mehr passten und aus dem Stadtbild entfernt worden. Hier vergraben, dort weggeschlossen.

Einige der zukünftigen Exponate warten bereits hinter den Kulissen der Zitadelle auf ihr Comeback. So die verbliebenen Figuren der einstigen Siegesallee im Tiergarten. 32 Denkmalgruppen stiftete Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1895 den Bürgern der Stadt. Nun stehe ich zwischen den Resten seiner marmornen Ahnengalerie. Die bis zu sechs Meter hohen Statuen sind teils arm- teils kopflos. Eine hat sogar das Gesicht verloren. Sie werden zwar konserviert, jedoch nicht rekonstruiert. Ihr Verfall soll Teil der Ausstellung sein.

Sie wollen Lenins Kopf…

Doch „enthüllt“ beschränkt sich nicht nur auf die Kaiserzeit. Auch Denkmäler der NS-Diktatur werden gezeigt, darunter der „Zehnkämpfer“ von Künstler Arno Breker. Das Abbild eines athletischen Mannes ist derzeit noch im Haus des Sports auf dem Olympiagelände zu sehen. Ein großes Stück DDR-Kunst soll ebenfalls in den Berliner Westen kommen. So stand auf dem heutigen Platz der Vereinten Nationen ein 19 Meter hohes Lenin-Denkmal. Das Werk aus rotem Granit wurde 1991 zerlegt und im Köpenicker Forst vergraben. Jetzt bemühen sich die Organisatoren der Ausstellung zumindest den ca. 3 ½ Tonnen schweren Kopf nach Spandau zu schaffen.

Auf der Zitadelle werden sie bis 2014 alle vereint: Kaiser und Kommunisten, Könige und Kraftsportler. Was einst Ausdruck von Macht und Propagandamittel war, ist dann nur noch stummer Zeuge längst vergangener Zeit. Irgendwie gefällt mir diese Vorstellung…

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