…nur um dann doch in Berlin zu bleiben.
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Schnellen Schrittes eilt der ältere Herr zum Boarding-Schalter. Schon von weitem wedelt er mit seiner Bordkarte. Als er den Schalter kurze Zeit später erreicht, fährt vor dem Fenster ein Flieger auf die Rollbahn. Die Dame am Schalter meint lachend: „Leider zu spät“ und nimmt das Ticket. Der vermeintliche Fluggast stimmt in das Lachen ein – noch herrscht Probebetrieb am neuen Berliner Flughafen BER.
Bis zur Eröffnung des neuen Flughafens sind es noch gut vier Monate. Damit der Start reibungslos über die Bühne geht, proben rund 10.000 Freiwillige den Alltag und den Ernstfall am Flughafen. Dazu gehöre heute auch ich. Bei winterlichen -14 °C und strahlendem Sonnenschein habe ich mich auf den Weg zur Flughafenbaustelle gemacht.
Inkognito und mit fremden Gepäck
Eine kurze Einführung, ein grüner Helm und eine leuchtend grüne Weste reichen aus, um mich in einen passablen Flughafentester zu verwandeln. Wenige Minuten später mache ich mich als Mr. Oliver Lodiga, gebucht nach Oslo, mit meinem Flugticket auf den Weg in die Abflughalle. Meine Aufgabe und die der weiteren rund 150 Freiwilligen ist es heute, wie im richtigen Leben, Gepäck aufzugeben, durch die Sicherheitskontrolle zu kommen und den Weg zum Gate zu finden. Mit dem Einlesen der Bordkarte am Gate ist die Übung beendet.
In der riesigen lichtdurchfluteten Abflughalle ist mein erster Stopp ein gigantischer Kofferberg. Ich entscheide mich für einen türkisfarbenen Rollkoffer und ein verbeultes schwarzes Taschenungetüm und stelle mich am Check-In brav in die Schlange. Auch die Angestellten der Airlines am Check In haben heute ihren ersten Probe-Tag am neuen Flughafen. Der Schalter trägt noch einen Plastikmantel. Während die engagierten Mitarbeiter mit der ungewohnten Technik kämpfen, haben die Testpassagiere großen Spaß: „Du, wir sind zusammen hier“, raunt die Dame vor mir ihrem Begleiter ins Ohr, „da sagen wir, dass wir auch zusammen sitzen wollen!“
Ich habe keine Sonderwünsche und mein Alter Ego Oliver kann sich bald auf einen Sitzplatz am Fenster in Reihe 9 freuen. Während der Abfertigung frage ich, was sich eigentlich in meinem Reisegepäck befindet. „Echte Sachen!“ antwortet die Stewardess: „Das sind alles Gepäckstücke aus dem deutschlandweiten Lost & Found!“
B 15 verzweifelt gesucht!
Die nächste Station ist die Sicherheitskontrolle. Es herrscht das umgekehrte Zwiebelprinzip: Taschen, Warnwesten, Jacken, Schals und Pullover landen in schwarzen Kisten und werden durchleuchtet. Ich schaffe es ohne Piepen durch den Detektor und beginne meine Suche nach Gate B 15. Der Anfang ist ziemlich einfach: Verkehrs-Kegel markieren den Weg. Abweichen kann Lebensgefahr bedeuten.
Später wird es schwieriger. Da ist der Abzweig zu B 15 – aber nur mit dem Fahrstuhl – und der geht noch nicht. Also weiterlaufen. Am Ende des Ganges ereilt mich die Ratlosigkeit: Vor mir sind B 22 und 23 – aber wo ist die 15? Kein Schild weit und breit – aber eigentlich ist das kein Problem: Auf der Baustelle sind unglaublich viele Leute unterwegs: Bauarbeiter, Elektriker, Brandwachen, Architekten. Einer, der mich erst belächelte, weist mir jetzt freundlich den Weg: „Da sind Sie zu weit! Wie konnte denn das passieren?“
Und wie ein Flugzeug die Landebahn, so finde ich mein Ziel: Das ersehnte Gate B 15. Es liegt ebenerdig, ist angenehm temperiert und hat bereits eine funktionierende Anzeigetafel aller Abflüge. Davor stehe ich nun und lese Namen wie Miami, London und Dnipropetrowsk. Warum muss Mr. Oliver Lodiga eigentlich nach Oslo, wenn es doch viel fernere, viel exotischere Ziele gibt? Doch Olli ist das egal. Während ich der freundlichen Stewardess mein Ticket zum Abriss gebe, geht er an Board. Ich bleibe zurück. Meinen Test hat der neue Hauptstadtflughafen BER bestanden.
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